Dienstag treffe ich mich nach der Arbeit mit Justus (ein Freund von Aoi, der vor 17 Jahren in Tokyo gelebt hat und jetzt wie ich mit Working Holiday Visum ein Praktikum macht und dem ich Emilys Fahrrad überlassen habe) zum Abendessen und auf ein Feierabend Bier in Shibuya und erfahre so einiges interessantes über deutsches Fernsehen, denn Justus hat einige Drehbücher geschrieben. Sehr amüsanter Abend. Auf dem Heimweg in der Yamanote sehe ich einen Kerl, der mir irgendwie bekannt vor kommt, da fällt mir auf das ist der Chef von meinem Stamm-Karaoke in Shibuya. Als er in Yoyogi aussteigt, sieht er mich durchs Fenster und winkt mir zu haha
Am Mittwoch schlafe ich einfach nur aus und mache den ganzen Tag gar nichts außer ein paar Kanjis zu lernen. Gammel-Tag darf man sich ja auch mal gönnen. Am Abend fahre ich in die Arbeit, denn ein Mitarbeiter verlässt die Firma und es gibt ein Abschiedsessen. Ziemlich nett und witzig, meine Arbeitskollegen/Chefs sind einfach super Leute!! Seiji lädt mich auf ein "Hanami" im April ein, wortwörtlich übersetzt heißt das "Blumenschau", bedeutet aber eher das man eine Art Piknik unter Kirschblüten Bäumen macht. Und wie bei jedem Anlass heißt das für Japaner natürlich auch bechern! Im April, während der Kirschblüten-Zeit gibt es in Japan im übrigen die meisten Todesopfer in folge von Alkoholvergiftungen. Liegt auch daran, dass im April das neue Schul- und Arbeitsjahr anfängt, d.h. die Leute, die im März ihre Uni abgeschlossen haben und im April anfangen zu arbeiten werden bei den in Japan üblichen "Nomikais", also Trinkgelagen (bzw. offiziell eher Arbeitsessen) von ihren Chefs dazu gezwungen sich tot zu trinken, weil sie es noch nicht gewohnt sind. In Japan trinkt man nämlich nicht so viel wie man möchte, sondern so viel wie einem nachgeschenkt wird und wenn der Chef in Trinklaune ist, dann wird eben gnadenlos mitgetrunken. Wie so oft bin ich äußerst froh, dass in meiner Firma nicht die üblichen strengen Regeln gelten, sondern alle zwar natürlich japanisch sind, aber halt nicht auf die dumme Art und Weise ;)
Auf jeden Fall stupst mich Jin beim verlassen des Restaurants an, ob ich schon heim gehe, oder noch mit ihm und Yuasa-San einen Trinken gehe. Klar, da bin ich mit dabei, fahren also nach Yurakucho, wollen eigentlich in das Deutsche Restaurant gehen, hat aber zu, also gehen wir in ein Irish Pub. Yuasa-San muss relativ schnell fahren, weil er die letzte Bahn erwischen muss und ich stelle wie so oft fest, dass Sprachen einfach reine Kopfsache sind, denn mein japanisch ist flüßiger denn je, ich unterhalte mich mit Jin über wirklich ernste und wichtige Themen, ohne auch nur nachdenken zu müssen. Danke an das gute japanische Bier :D Wir haben irgendwie nicht so wirklich Ahnung wie wir um kurz vor 12 nach Hause kommen sollen (wobei ich noch mehr Ahnung hab als der gute Jin, der immerhin 23 Jahre seines Lebens in Tokyo gelebt hat), nehmen also ein Taxi bis nach Higashi-Nakano, von wo aus ich nach Hause laufen und Jin die Bahn nehmen kann. Der Taxifahrer lässt uns aber irgendwo in der Pampa raus, wir laufen erst mal in die komplett falsche Richtung und müssen dann nochmal ein Taxi nehmen, weil Jins letzte Bahn sonst endgültig weg ist. Wieso haben die ganzen Japaner eigentlich noch weniger Orientierung in dieser Stadt als ich?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen