Aoi und ich treffen uns also mehr schlecht als Recht ein wenig zu spät am Tokyo-Bahnhof und - wer hätte auch etwas anderes erwartet - verfahren uns natürlich! Macht aber absolut nichts, da wir ja Gott sei Dank eine 3/4 Stunde Verfahr-Zeit mit eingerechnet haben und somit nur eine knappe halbe Stunde zu spät kommen. Vom üblichen Messe Alltag brauche ich wahrscheinlich nicht erzählen. 3 Tage am Stück 8 Stunden stehen, lächeln, Prospekte verteilen, Visitenkarten entgegen nehmen. Ich war nur froh, dass Aoi mit dabei war, denn so hatten wir eigentlich immer was zu quatschen und zu lachen, und wenns mal langweilig wurde, wurde eben „Wer bin ich“ oder „Shiritori“ (Das japanische equivalent von „Teekässelchen“) gespielt. Am ersten Abend ging es dann „Shabu-Shabu“ Essen (jap. Fleischgericht) und danach noch mit ein paar der Leuten der Firma und 2 Engländern in die Hotel-Bar im 24 Stock - ziemlich interessant gewesen, egal ob Business-Unterhaltungen, die sehr coolen Geschichten über die Musikszene oder einfach nur der sau witzige Smalltalk. Außerdem habe ich auch zum ersten mal mit den Leuten aus meiner Firma auf Englisch geredet, was mich nicht nur begeistert hat (es finden sich selbst bei den ganz großen Firmen selten Leute in Japan die SO gut englisch sprechen), sondern auch einfach interessant war (Man ist eben doch ein wenig ein anderer Mensch, wenn man in einer anderen Sprache redet)! Da tritt man außnahmsweise mal nicht in jedes sprachgegebene Fettnäpfchen! Mein Hirn war natürlich nach dem üblichen Deutsch/Englisch/Japanisch „geswitche“ totaler Brei. Was dann auch zu dem wunderbaren Steinschlaf geführt hat, den wir 2 Nächte hatten. Lag allerdings wahrscheinlich auch an den geilen, riesigen Betten in unserem Hotelzimmer mit großen Bad (und einer normalen Dusche!!!), riesigem Fernseher und Ausblick über die Skyline in Makuhari. Da fällt einem erst mal auf, wie toll so ein normales Hotelzimmer ist, wenn man ein einfaches japanisches Leben führt (wobei das bei Aoi sicher noch heftiger ist als bei mir!). Am zweiten Abend waren wir Steak-Essen und haben uns wie üblich interessante Geschichten angehört. Da Aoi und ich um 10 aber irgendwie doch noch nicht Bett-Reif waren und den letzten Abend genießen wollten, haben wir uns noch einen Drink in der Hotelbar gegönnt. Man kommt sich schon cheffig in seinem Kostüm vor, Wein trinkend, an der Hotelbar. Aber auch tagsüber mit Kaffee in der Hand durch die Straßen hetzend - Busy Geschäftsfrau spielen macht schon Spaß :D
Am Freitag war die Messe dann um 5 vorbei und da wir bei den Aufräumarbeiten wahrscheinlich nur gestört hätten, durften wir, nachdem wir die Kataloge und leichten Sachen eingeräumt hatten, heim fahren. Gott sei Dank hatten wir Plätze in der Bahn, da wir ja eine Stunde gefahren sind. Wollten dann noch etwas Essen gehen und haben uns für Kichijouji entschieden, von wo aus ich in 15min mit der Bahn und Aoi innerhalb von 10min mit dem Bus nach Hause kommt. Außerdem ist Kichijouji einfach nur sau cool! Wir sind also erst mal n bisschen rumgelaufen und haben uns an den ganzen Läden und Kneipen erfreut und sind dann in ein Izakaya (japanische Bar/Pub), zwar eine Kette, trotzdem aber sau cool asiatisch aufgemacht und einfach cool. Nach dem Essen und während der Hälfte des 2ten Bierchens saßen wir uns schweigend und völlig fertig gegenüber, aber spätestens als uns dann (nach 3 Tagen!!) ein ziemlich peinliches Missverständnis (das ausnahmsweise nicht aufgrund der sprachlichen oder kulturellen Differenzen aufgetreten ist, sondern einfach nur weil wir beide totale deppen sind haha) aufgefallen ist, war die Stimmung wieder so angehoben, dass das halbe Izakaya mit lautem Gelächter gefüllt wurde - Die Müdigkeit wie weggewischt. Also wurde weiter brav bestellt, bis wir auf einmal festgestellt haben, dass es bereits 1 war und somit meine letzte Bahn natürlich weg. Also sind wir zu Aoi gefahren, was mim Taxi nicht so teuer ist, weil ihr Studentenwohnheim nicht so weit weg ist. Aois Wohnung ist um einiges kleiner als meine und das Bad ist der absolute Hammer haha Weiß nicht welcher Japaner auf die Erfindung kam Klo, Waschbecken und Dusche in einen 1m^2 Raum zu stopfen (versteht mich nicht falsch, da gibts keine Abtrennung, der Duschkopf befindet sich der ÜBERM Klo), aber so sieht‘s aus im Studentenwohnheim der besten Uni Japans! Wie wir es nach den Anstrengungen der 3 Tage geschafft haben bis 4 wach zu bleiben weiß ich zwar nicht mehr, aber heute spüre ich doch sehr die Müdigkeit. Wir sind relativ früh aufgestanden, haben bis nach Kichijouji einen Spaziergang gemacht, waren Mittagessen, haben uns Kochbücher gekauft und jetzt bin ich zuhause, wieder allein, nach den 3 witzigsten, interessantesten und einfach nur besten Tagen, die ich seit Jahren hatte!
Fotos folgen morgen, hab gerade einfach keine Lust!
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