Es gibt viel zu erzählen: Ich beginne also mit Donnerstag, als ich ALLEINE nach Harajuku in den Softbank Laden gegangen, mich für die japanische - und nicht die englische - Beratung entschieden und mir ohne große Probleme einen Handyvertrag gemacht habe. Jetzt habe ich also ein geiles japanisches „Keitai“, mit dem ich Mails (anstatt SMS) schreibe, ständig im Internet bin und sogar Fernsehen kann. Und das für einen Spottpreis! Apropo Preis: Ich habe mir das billigste (17600Yen=ca. 130Euro) Handy gekauft. Das billigste für Ausländer!! Japaner können bereits ein Handy für 4800Yen (ca. 35Euro) kaufen!! Aber das ist mir jetzt auch egal, Hauptsache ich hab endlich ein Handy!
Am Freitag stand ich dann vor der großen Mädchen-Frage: Was ziehe ich an? Ja, klingt meistens lächerlich, aber wenn man erst mit einem Freund verabredet ist, dann ein sich in der neuen Firma vorstellen soll, dann mit den Leuten von der Arbeit zum Essen geht und dann mit ihnen in einen Club .. dann ist diese Frage doch durchaus berechtigt, oder? In Tokyo ist es nämlich nicht wie in München, wo man dann eben noch mal schnell heim fährt und sich was anderes anzieht. Hier verlässt man einmal das Haus und das war‘s dann. Deswegen gibt es in Clubs z.b. auch nicht wie bei uns Garderoben, sondern Schließfächer (tausend mal praktischer: Kein Anstehen, kein Diebstahl, kein „Zwei Jacken übereinander darf man nicht abgeben“), in die japanische Frauen durchaus ihre Tüten mit den tagsüber ershoppten Klamotten drin, reinstopfen - bei uns völlig undenkbar, dass man sich nicht bevor man in den Club geht noch mal zurecht macht und was anderes anzieht.
Ich habe mich also für die sichere Variante entschieden und mich einfach in die schwarze Hose, weiße Bluse und schwarzen Blazer geworfen, bin nach Shibuya gefahren und habe mich mit Hauke (ein ehemaliger Klassenkamerad der DSTY - Deutsche Schule Tokyo Yokohama, vom Sho) getroffen. Da ich um 6 in der Arbeit sein sollte und mir sicher war, dass ich den Weg nicht auf anhieb finden würde, bin ich also bereits um 5 von Shibuya aus losgefahren (für eine Strecke die 15 Minuten dauert). Nach dem ich 3 Polizisten und etliche Passanten gefragt hatte (von denen mich 2 gleich zum Essen einladen wollten - danach wurden nur noch Frauen nach dem Weg gefragt!) und einmal in der Firma angerufen habe, war ich dann auch nur 5 Minuten zu spät. Ich habe also für einen Weg, den man locker in unter 10 Minuten zurücklegen kann, geschlagene 50 Minuten gebraucht! Japaner, tut uns allen den gefallen und führt ENDLICH ENDLICH Straßennamen ein. Das kann doch in so einer riesigen Stadt wie Tokyo nicht euer ernst sein?? Ich hatte schließlich sogar die Wegbeschreibung von GoogleMaps abfotografiert! Nachdem ich ankam, wurde mir also erklärt was die Firma so alles macht, was sie sich so vorstellen was ich tun werde und ein paar der formellen Sachen - Alles natürlich auf japanisch (und ich muss gestehen ich hab mich erstaunlich gut geschlagen). Ich werde also immer Dienstags, Donnerstags und Freitags von 10 Uhr bis etwa 6 Uhr oder 7 Uhr arbeiten. Nächste Woche ist allerdings eine Ausnahme weil gleich mal Messe ist. Wir fahren also von Mittwoch bis Freitag nach Chiba, übernachten im Hotel, etc. Messe halt.
Wir sind dann zu dritt Essen gegangen und anstatt das die üblichen Fragen über Deutschland, also „Was esst ihr da so?“, etc., kommen, werde ich gefragt, was ich für Musik höre, ob ich oft weggehe und schon in einem Club in Tokyo war - alles also ziemlich cool, total locker und super nett. Dann sind wir also ins Loop, ein ganz normaler Club in Roppongi, bei dem irgendein bekannter RadioDJ aufgelegt hat, mit einer neuen Art von Geräten, die meine Firma eben vermarktet/verkauft. Die beiden sind dann nach der „Drum and Bass“-Vorstellung des DJs heimgefahren und da danach ziemlich guter Elektro lief, sind Aoi (es hieß ja ich solle Freunde mitbringen und wir haben wohl auch ziemlich begeistert, aber dazu später) und ich natürlich geblieben. Die Vorstellung bis 5 Uhr morgens auf die erste Bahn warten zu müssen ist natürlich der Horror, aber wie so oft, nach dem Aoi eh mit zu mir gekommen wäre und wir uns die ansonsten kaum bezahlbaren Taxi kosten geteilt hätten und dadurch eben kein Zwang bestand, bis zu einer gewissen Uhrzeit zu bleiben, haben wir natürlich bis 4 durchgetanzt, sind bis nach Shibuya gelaufen, waren beim McDonalds und haben dann perfekt die erste Bahn um 4:38 Uhr nehmen können. (Tut mir Leid für diese Hypothaxe!) Von den ganzen Spuckgeschichten von wegen „Japaner gehen eigentlich sowieso nicht weg“, „In den Clubs sind nur assoziale Ausländer“ und „Clubs machen um 1 Uhr nachts zu“ im übrigens keine Spur! Wir waren die einziger Ausländer in diesem kleinen, sehr coolen Keller-Elektro-Club und sind dadurch natürlich so aufgefallen, dass sich sogar zwei der DJs bei uns fürs viele tanzen bedankt haben! Noch eine witzige Geschichte zum Club-Flirt-Verhalten der Japaner: Nachdem ein typisch unfähig sich auszudrückender Japaner mich im vorbeigehen angelächelt hat und auf der Tanzfläche irgendwie näher gekommen ist, hat er irgendwann, als die Musik nicht mehr lief sich ein paar mal vor mir verbeugt, mit mir eingeschlagen und „Happy New Year“ gerufen. Find ich fast noch witziger als die schamlosen plumpen Anmachen der alten Säcke, die mich einfach gerade heraus fragen ob ich nicht mit ihnen Essen oder Einkaufen gehen möchte.
Aoi und ich lagen dann also mehr schlecht als recht auf meinem einen Futon (bzw. ich lag eher daneben auf einem Kissen und ner Decke) und haben versucht ein bisschen Schlaf zu kriegen, nachdem ich ja am Samstag mit meiner Gastmutter verabredet war und nicht bis in die Puppen schlafen konnte. Kurze Erklärung, da mir gerade einfällt, dass mein Onkel mich neulich am Telefon gefragt hat, wer denn dieser Typ namens Aoi ist. Aoi ist DIE Schwester von Akino, auch genannt Miriam, gebürtige Münchnerin, halb Japanerin und derzeit Austauschschülerin an der Toudai (= Tokyo Daigaku, die beste und bekannteste Uni in ganz Japan), die mir nicht nur bei allem eine riesige Hilfe ist, sondern mit der ich hier auch sichtlich ziemlich viel Spaß habe :D
Gestern war ich dann eben mit meiner Gastmutter zum Mittagessen verabredet und als ich nach Hause gekommen bin, war eine Mail von meinem Chef im Postfach, der gleich mal Aoi für die Messe nächste Woche und uns beide im Dezember für noch irgendeinen Rezeptions Job (der nicht zu meinem Praktikum gehört, da das Sa und So wäre) buchen wollte. Wir scheinen wirklich Eindruck gemacht zu haben!
Heute war ich dann mit Pee verabredet, wir sind knapp bis nach Yokohama gefahren und waren auf einem Straßenfest. Nichts besonderes.
Morgen also erster richtiger Arbeitstag, ich hoffe es läuft weiterhin alles gut!
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