Montag, 4. Januar 2010

Winterferien

Die letzten 2 Wochen im schnell Durchlauf: Ich fahre nach Ibaraki, zu meiner Gastmutter, die natürlich am Ende ihrer Kräfte ist. Anstatt das ich mit ins Krankenhaus darf, werden die üblichen „Babysitter“ gesucht, die tagsüber auf mich aufpassen, denn ich bin ja keine 20 und ich lebe ja auch in Tokyo nicht alleine. Ich verbringe also meine Tage in dem üblichen höflichen Halbschlaf Genicke und zustimmendem „Sou desu ne“ (=Ja, so ist das) gemurmel. Und das beste daran ist: Ich darf auch noch dankbar dafür sein, dass ich kommen durfte, weil das ist ja „sicherer“ über die Ferien, als in Tokyo zu sein. Außerdem bin ich Schuld, dass meine Gastmutter jeden Tag vom Krankenhaus (das gute 2 1/2 Stunden entfernt ist) nach Hause fahren muss und nicht im Hotel in der Nähe übernachten kann. Um die ganze Sache noch in die perfekte Hölle zu verwandeln kommt meine Gastschwester aus Amerika (Das zeigt aber auch den Ernst der Lage) und wer schon mal Stories von mir aus Japan gehört hat, müsste wissen was das für mich bedeutet: Angst! Und obwohl die ganze Sache natürlich eine Ausnahmesituation ist und ich weiß, dass alle Nerven angespannt sind, platzt mir irgendwann der Kragen und ich schaffe es zum ersten mal mich zu wehren, meine Meinung darzulegen und vor allem klar zu stellen, dass ich aus Loyalität und Sorge gekommen bin und sie mir zwar nicht dankbar sein brauchen, weil das für mich selbstverständlich ist, aber mir auch keine Schuldgefühle machen brauchen. Na ja, dass ich aber tatsächlich irgendwo dankbar bin und auch irgendwie froh, dass ich in Ibaraki war und auch, dass genau die strengste Gastfamilie aller Zeit genau meiner war, ist zu vielschichtig um es zu erklären.

Sonstige Erwähnenswerte Dinge: Klassentreffen am 30.! Außer Ayumi und Saku wusste ja niemand, dass ich komme, was zu heftigem Gekreische geführt hat. Hab mich vor allem gefreut Yuka zu treffen, die ja weiter weg wohnt und aber natürlich auch sonst sehr schön gewesen, alle, also wirklich alle wieder zu sehen und hoffe, dass ich die meisten in Tokyo wieder mal treffe! Wir waren in einem Izakaya, 4500Yen (=Um die 30 Euro) für Essen und All-you-Drink, 2 Stunden (was ich ja noch nicht mal Ausnutzen konnte, weil betrunken zu meiner Gastfamilie nach Hause - Nein, das muss nicht sein!), da blutet einem natürlich das Herz. Es hat sich aber trotzdem gelohnt, war wie früher, nur eben mit Alkohol, was dazu geführt hat, dass nach 2 der supersüßen Cocktails etwa 20 angeschwipste Japanerinnen um mich rumstanden und meine Brüste befühlt haben ;) Während ich dann brav um 9 nach Hause gefahren bin, sind die anderen noch richtig Party machen gegangen und haben durchgemacht.

Dann Sylvester! In Japan eher wie bei uns Weihnachten, Familienfest und ziemlich wichtig! Dachte ich zumindest. Eigentlich war es aber ein Abend wie jeder andere: Vorm Fernseher! (Es sollte mich doch jemand dran erinnern, dass ich von japanischem Fernsehen berichte!!) Nur das man diesmal nicht um 11 sondern um halb 1 ins Bett geht, nachdem man die Count-Down Show der Boygroups von Johnny‘s Entertainment angeschaut hat. Am nächsten morgen sind wir dann nach japanischen Brauch üblich, den ersten Sonnenaufgang im neuen Jahr anschauen gegangen. Am 5 Minuten entfernten Strand!

Da mein Gastvater vorgestern dann endlich von der Notaufnahme in ein normales Zimmer kam, durfte ich gestern dann auch endlich mit ins Krankenhaus und ihn sehen. Dann mit dem Bus von Mito nach Tokyo. Am 3.1 nach Tokyo reinfahren, gaaanz Klasse Idee natürlich. Denn Sylvester ist in Japan vor allem für 2 Sachen bekannt:

1.) Sale! Japaner drehen völlig am Rad, stürmen die Einkaufszentren, stehen ewig schlange nur um in die Läden reinzukommen und kaufen sich sogenannte „Fukubukuro“, Taschen, mit unbekanntem Inhalt, mit unglaublich reduzierter Ware! Es ist aber auch wirklich hammer reduziert alles!

2.) Verreisen. Jaa, 4 Tage frei, da kommt Urlaubsstimmung in Japan auf ;) Jeder fährt aufs Land zu seiner Familie, oder zu irgendwelchen Onsen, also heißen Quellen (Tokyo muss anscheinend an Sylvester in der Hand der Party machenden Ausländer sein und ansonsten ne ziemliche Geisterstadt, weil niemand - natürlich vergleichsweise - mehr unterwegs ist!)

Es waren also gestern geschätzte 9 Millionen Japaner mit mir zusammen auf dem Weg zurück nach Tokyo! Ich kam also erst um 7 am Tokyo-Bahnhof an und bin direkt, ohne noch einmal Heim zu fahren nach Kichijouji, um nach Stress und Druck in Ibaraki mal wieder normale Zivilisation und Konversation zu haben ;) Mein Gepäck also in den Locker gesperrt und mit Aoi im mittlerweile Stamm-Izakaya getroffen. Wie irgendwie nicht anders zu erwarten habe ich natürlich die letzte Bahn verpasst, also Karaoke singen, Etienne kam auch noch irgendwann und aus spät wurde früh, aus meiner Stimme wurde Krächzen und das komische Gefühl hab ich mir von der Seele gesungen.

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