Sonntag, 31. Januar 2010

Weekend

Am Freitag eröffnet mir Jin schmeichelnder Weise, dass ich vielleicht doch eine Sprachschule besuchen sollte, da ich bereits seine „schlechten Wörter“ benutze. Kurze Erklärung: Im japanischen unterteilt man relativ strikt in Männer und Frauen Sprache. Außerdem gibt es etwa 5 Höflichkeitsstufen. Ich rede also mittlerweile wie ein unfreundlicher Mann. Klasse haha Dabei gebe ich mir immer so viel Mühe höflich zu reden. Verdammt ;) Na ja, gott sei Dank lacht Jin einfach nur über mich. Er ist ja auch selber schuld, wenn er immer so mit mir redet und ich mir das dann merke! Wie soll ich mich auch an Frauensprache gewöhnen, wenn um mich rum nur Männer in der Arbeit sind? Ich brauch mehr weibliche Japanerinnen!

Nach der Arbeit dann mit Nefi, Thezi und Kouki in ein Izakaya in Kichijouji, sehr witzig, vor allem weil Kouki einfach echt n cooler Kerl ist und dann brav mit der letzten Bahn nach Hause.

Am Samstag wollen wir uns eigentlich mit den Schweden treffen, die Thezi im Echo kennengelernt hat, die melden sich aber nicht, also gehen wir mit Aoi in ein Izakaya in Takadanobaba. Thezi geht es nicht gut und sie fährt heim und da wir noch eine Stunde haben, bis die letzte Bahn fährt gehen wir noch zu dritt ins Karaoke. Und was macht man wenn man einmal in Laufweite von zuhause ist? Genau, mit der letzten Bahn nach Shibuya fahren, in eine Bar namens Oath, in der Nähe wo auch das Loop ist, wo Etienne, Erika und Stephan sind (Akina war auch mit dabei, musste aber nach Hause, weil ihre Mutter angerufen hat und meinte, dass es nicht ok ist, wenn sie jedes Wochenende Clubben geht. Akina ist 24 und arbeitet!). Gute Musik, super witzige Leute kennengelernt und so verfliegt die Zeit. Als Aoi und ich mit dem Taxi zu mir fahren stelle ich fest, dass direkt neben meinem Haus, also das angrenzende Grundstück ein Tempel ist. Man lernt auch nicht aus!

Nach gefühlten 5 Minuten Schlaf stehe ich auf, schmeiße Aoi raus und fahre nach Shibuya, wo ich mich mit Nodoka treffe. Wir gehen Ramen Essen, Shoppen, Purikura machen - das übliche. Später treffen wir dann noch Nefi und Thezi (die aber nur ca. 10 min bleibt und dann wieder heim fährt, da es ihr schon wieder nicht gut geht) und gehen ins Beat Café. Nodoka lädt uns zu ihr nach Hause nach Oosaka ein und da ihre Studentenwohnheim um 11 Sperrstunde hat, fahren wir etwa um halb 10 nach Hause.

Wie schnell geht so ein Wochenende eigentlich rum, wenn man Montags arbeiten muss?

Freitag, 29. Januar 2010

Die Zeit vergeht

Freitag Abend kamen also Thezi und Nefi zu mir und wir wollten uns eigentlich Kurosagi anschauen, war dann aber irgendwie zu leise, also haben wir Nana geguckt .. Aufm Boden sitzend, weich, zwischen meinem ganzen Krempel haha Weils echt schon kaum mehr auszuhalten war (20m^2 werden halt dummerweise auch schnell zugemüllt), habe ich dann meinen Samstag Vormittag mit Waschen, Aufräumen, Putzen und Abspülen verbracht (wache zur Zeit komischerweise eh immer ziemlich früh auf), war auch echt mal wieder nötig! Dann am Nachmittag mit Thezi und Nefi nach Shimo-Kitazawa gefahren und n bisschen durch die Läden gezogen. Dann nach Shibuya, gegessen, Karaoke (Wo mich der Kerl mittlerweile schon kennt!) und dann ins Echo (wo ich schon öfter mit Aoi war), wo ne Freundin von ner Freundin von Nefi Geburtstag gefeiert hat. War ziemlich witzig und irgendwann kamen sogar noch Aoi und die restliche TouDai Austauschtruppe. Sonntag dann das Haus nicht wirklich verlassen, dafür aber gelernt. Und gestern war ich dann mit Thezi und Nefi in Akihabara, Freak Town :D Mal wieder. Was es da für Technik Zeugs gibt .. fasziniert mich immer wieder. Nefi und ich wollten uns (aus lern/übungstechnischen Gründen) Mangas kaufen, sind also in einen dieser riesigen Second Hand Bücher Läden. Dann stehst du da vor 8 Milliarden Comic Books und so lange du kein Freak bist, hast du bei dieser Übermäßigen Auswahl natürlich auch keinerlei Ahnung, was du dir jetzt holen sollst. Wir sind vor allem auch dummerweise erst mal in der Porno Abteilung gelandet und danach gleich mal in der "Männer-Lieber"-Abteilung ;) Hab dann allerdings Hanazakari no Kimitachi he gefunden, von dem das Dorama (jap. Serie/Soup) ziemlich witzig war, also mal sehen. Bin ja echt kein Manga Fan, aber das ist zum gesprochenes japanisch üben einfach perfekt, vorallem weil auch die Lesungen der schwereren Zeichen immer mit dabei stehen, also auch für Kanji Üben sehr gut. Hab mir also für etwa 3Euro 5 Büchlein gekauft, durch die ich mich jetzt durchbeißen werde :D

Am Dienstag in der Arbeit habe ich dann die Zusage für die Verlängerung meines Praktikums gekriegt. Jin-San hat sich da ziemlich für mich eingesetzt, bin sehr dankbar und freu mich wahnsinnig! Das wurde dann am Abend auch gleich mal mit Nefi, Thezi und Kuuki, einem Japaner, den wir am Samstag im Echo kennengelernt haben, gebührend gefeiert! Aoi kam dann auch noch irgendwann. Nefi, Thezi und Kuuki sind dann mit der letzten Bahn nach Hause und ich mit Aoi und den anderen Austauschstudenten nach Kichijouji, wo wir noch in unser mittlerweile Stamm-Izakaya gegangen sind und dann irgendwann noch ins Karaoke. Das übliche halt :D Wie das letzte mal saßen am Nebentisch leicht zerstörte Japaner, die einfach am Tisch eingeschlafen sind (Verpasst man die letzte Bahn, ist es durchaus üblich, einfach zu schlafen, bis der Laden zu macht und die Bahnen wieder fahren). Der eine ist dann sogar noch mit uns ins Karaoke ;)

Habe dann bei Aoi geschlafen (und schon wieder vergessen, ein Foto von ihrem Bad zu machen, verdammt!!) und sind am Mittwoch dann ins Gasuto, zum lernen. Um 5 war ich mit Thezi und Nefi am Hachiko verabredet und sind ins Kino gegangen. "Bandage", der neue Film mit Akanishi Jin. Die Story hat sich eigentlich ganz cool angehört, der Film war aber super lahm, echt unterstes Niveau, aber ich würd schon allein wegen Akanishi nochmal reingehen haha Sind dann noch Okonomiyaki Essen gegangen und da fällt Thezi auf: Sie hat ihren Geldbeutel verloren. Konnte ja eigentlich nur im Kino sein, was aber mittlerweile zu hatte. Da im Geldbeutel auch deren Hausschlüssel war also zu mir gefahren und auf meinem einen Futon zu dritt geschlafen. Kalt und unbequem ;) Gott sei Dank ist der Geldbeutel dann heute wieder aufgetaucht. Da waren sogar noch die 17000Yen (etwa 150 Euro) drin .. Japaner sind aber auch einfach zu nett, oder?

Montag, 25. Januar 2010

Vom Erdboden verschluckt

Tut mir Leid, dass ich nichts schreibe, dass ich niemanden anrufe. "Du bist wie vom Erdboden verschluckt" höre ich in letzter Zeit nur zu oft .. Na ja, habe am Freitag etwas geschrieben und kam nicht dazu, es abzuschicken. Das Wochenende hole ich dann wann anders nach:

Ich komme in letzter Zeit weder zum schreiben, noch wirklich dazu, mich bei irgendjemandem in Deutschland zu melden. Das tut mir Leid, sollte aber eigentlich alle freuen, dass ich nicht mehr so viel vorm PC rumgammel :D

Das letzte Wochenende war ich ja in Ibaraki, also in Mito. Habe im Hotel übernachtet, alleine, da meine Gastmutter im Krankenhaus geblieben ist. War im Onsen, also heiße Quellen und hab im vergleichsweise großen Bett geschlafen wie ein Baby, während der Fernseher lief haha Man, hat das gut getan! Die Hochzeit war auch sehr interessant, die arme Braut hat sich tausend mal umgezogen, erst Kimono, dann 2 verschiedene Kleider haha Die Zeremonie war in einem Shrine, die Party dann in einem Hotel. Wahrscheinlich auch nicht viel anders als in Deutschland (war aber auch erst einmal in D auf ner Hochzeit und das ist ewig her), aber ganz interessant. Vielleicht alles ein klein wenig unpersönlicher. Während in Europa/Amerika Freunde des Ehepaars lustige Reden halten und alles irgendwie glücklich scheint, werden in Japan ernste Reden von Arbeitskollegen gehalten (Haben Japaner überhaupt Freunde? haha) und die Braut wirkte auch eher etwas gestresst und nicht unbedingt als wäre es der schönste Tag ihres Lebens ..

Am Montag habe ich mich dann sobald ich wieder in Tokyo war mit Nefi und Thezi getroffen, die jetzt endlich hier sind. Gleich mal Okonomiyaki gegessen und Karaoke singen gegangen und die letzten 3 Monate nachgeholt :D

Dienstag dann Arbeit, Jin-San hat jetzt mit dem Boss geredet wegen Verlängerung des Praktikums, mal sehen was dabei rauskommt. Am Abend habe ich mich dann endlich mit Issei getroffen, den ich auf der Orientation vor 3 Jahren kennengelernt habe. Waren dann zu viert mit Nefi und Thezi im SteakHouse in Roppongi, nicht weit weg von meiner Arbeit zu Abend gegessen und hatten nen ziemlich witzigen Abend. Issei kommt sich zwar ein bisschen cool vor, da er zu 1/8 Amerikaner ist und auch sehr gut Englisch spricht haha Ist aber wirklich n cooler Typ und ich hoffe wenn er mit seinem Job-Hunting mal nicht mehr so busy ist machen wir auch öfter wieder was.

Mittwoch dann mit Nefi und Thezi durch Kichijouji gezogen und wollten uns dann noch mit ner Freundin von Nefi in Shibuya treffen, die ist aber nicht aufgetaucht, was damit geendet hat, dass wir 2 Stunden am Hachiko blöd rumsaßen!

Donnerstag dann Arbeit und hab erfahren das Jin-San im März für 10 Tage nach Deutschland (erst auf ne Messe in Frankfurt und dann noch irgendwo anders hin) fliegt und ich muss gestehen ich beneide ihn ja durchaus etwas! Bin dann früh ins Bett, weil ich total müde war und als ich heute morgen aufgewacht bin, seh ich, dass ich ne Mail von Etienne um halb 1 gekriegt hab, dass er mit Aoi (bei der ich diese Woche Melde-Verbot habe, da sie ihre letzte Uni Woche hat und eig. lernen muss!) jetzt ins Karaoke in Kichijouji geht, ob ich nicht mit will haha Diese Studenten sind mir vielleicht ein Völkchen! Nur Party im Kopf tztz Na ja, heute Abend kommen Nefi und Thezi zu mir und wir gucken Film. Wie wir das mit meinen 3 Klappstühlen bequem hinkriegen sollen, weiß ich zwar noch nicht, aber wird schon. Oh Gott, ich sollte wirklich mal wieder diese Bude aufräumen, hier siehts aus. Nefi kennt mich ja, aber Thezi hält mich wahrscheinlich für den Ober Messy, wenn sie das sieht!

Samstag, 16. Januar 2010

The Office

In den letzten Tagen ist mal wieder nicht viel spannendes passiert. Am Montag wollte ich mich nach der Seijinshiki mit Aoi noch auf 2 Bier treffen, leider bleibt es ja niemals dabei.. Jetzt weiß ich zumindest, dass eine Taxifahrt von Kichijouji aus zu mir knapp 5000Yen (etwas mehr als 37Euro) kostet .. das mache ich also nie wieder haha Dienstag dann Arbeit und gestern habe ich mich außer für einen kurzen Essenseinkauf im Konbini nicht aus dem Haus bewegt.

Also nutze ich es mal, um etwas mehr über meine Firma zu erzählen. Wie schon öfters erwähnt, herrscht hier ja - Gott sei Dank - nicht das für japanische Firmen typische, strickte Hierarchie System, weil es ja Musikszene ist, sind auch deswegen wahrscheinlich alle etwas lockerer, aber im Grunde lernt man dann halt doch so einiges über einen japanischen Betrieb. Ziemlich witzig finde ich es zum Beispiel, dass, wenn jemand zu einem Meeting oder Treffen oder was auch immer außerhalb muss und wieder kommt, immer die Floskel "Okaeri" fällt, was so viel bedeutet wie "Willkommen zu Hause". Auch sonst benutzt man das Verb für "nach Hause kommen" ziemlich oft im Zusammenhang mit der Firma.

Auch ziemlich interessant (für mich zumindest) ist die Sprache, die hier benutzt wird. Aber mit den etlichen Höflichkeitsstufen im japanischen möchte ich jetzt eigentlich niemanden langweilen. Ist nur immer wieder witzig, wie meine Kollegen, die mit mir ja ganz normal reden am Telefon auf einmal ne super weiche Stimme kriegen und super Höflich reden :D

Klasse ist auch, wenn die Post oder sowas in der Art vorbeikommt, um Päckchen abzuholen und dann alle wie im Chor rufen "Sumimasen", was eigentlich "Entschuldigung" bedeutet. Versteht das jemand?? Ich nicht haha Aber Sumimasen ist eh das allzeit Lieblingswort im japanischen. Im Wörterbuch ist das zwar unter Entschuldigung zu finden, in Wirklichkeit hat es aber weitaus mehr Bedeutungen, z.B.: Danke, Nein, Hallo und Tschüß!

Während ich immer brav um 7 nach Hause gehe (was meiner Meinung ja schon spät ist), bleiben eigentlich bis auf 2 Außnahmen (der Chef geht manchmal sogar kurz vor mir! Und Jin-San meistens kurz nach mir.. behauptet er zumindest) alle immer länger ... viel länger. Jin-San meinte sogar, es kommt nicht all zu selten vor, dass die bis 2 Uhr morgens arbeiten. Und das ist noch nicht mal außergewöhnlich. Verrückte Japaner!


Das ganze habe ich im übrigen am Donnerstag geschrieben, kam aber nicht dazu, es abzuschicken: Hab einen Anruf von Aoi bekommen, sie und Etienne gehen noch ein Bier in Kichijouji trinken. Ok, aber diesmal wirklich nur eines!! .. Man lernt ja doch nicht aus seinen Fehlern ;) Wenigstens habe ich dieses mal nicht das Taxi genommen, sondern bin einfach bei Aoi geblieben!

Jetzt ist es Samstag morgen und ich packe gleich mein Zeug und fahre dann nach Ibaraki, also nach Mito, denn morgen bin ich ja auf eine Hochzeit eingeladen.

Montag, 11. Januar 2010

Coming of Age Day

Freitag war einer dieser typischen Abende, die man für eine der besten Abende aller Zeiten hält, bis man am nächsten morgen (ok, es war nicht der nächste morgen) aufwacht und anfängt sich zu erinnern. Ich habe also Samstag und Sonntag damit verbracht mich abzulenken, damit mir bloß all die Erinnerungen gar nicht erst hochkommen ;) Ich gehe nicht ins Detail!

Heute dann Coming of Age Day. Habe ja glaube ich schon erzählt, dass man in Japan mit 20 erwachsen wird und der 2te Montag im Jahr ist dann eben der Coming of Age Day, in dem alle gefeiert werden, die im vorherigen Jahr 20 wurden. Eine japansiche, traditionelle Feier, die ich mir natürlich nicht entgehen lasse. Eigentlich wollte ich ja mit meiner Gastmutter hingehen, vielleicht sogar einen Kimono tragen, aber es kam alles anders. Ich fahre also so schlicht und schick wie möglich (man fällt ja schon genug auf) gekleidet nach Shinjuku und sehe nichts als Mädchen mit Kimonos (was ziemlich praktisch war, denn ich habe mich zum ersten mal nicht verlaufen, sondern bin einfach nur den Leuten hinterhergelaufen!). Im Keio Plaza Hotel angekommen, wo die Feier gehalten werden sollte, stehe ich also mehr oder weniger dumm rum, bis ich zwei andere Europäer sehe, nicht mal lange brauche um über meinen Schatten zu springen und sie einfach mit dem üblichen „Hey, sorry, I am alone and confused, nice to meet you“ anspreche haha Ella und Aldon aus UK sind auf jeden Fall Waseda Austauschschüler, überraschenderweise sogar ziemlich cool und so laufen wir also zu dritt durch die Kimono-Massen. Die Feier beginnt um 1 mit einer 10 minütigen Rede, dann ist das Buffet eröffnet (über das wir natürlich hergefallen sind!) und ja .. das war‘s auch schon. Es werden drei milliarden Fotos gemacht, wir machen drei milliarden Fotos, die Verantwortlichen der Veranstaltung kommen sich total International vor, weil etwa 15 Ausländer unter den 800 anwesenden sind, ich staube 3 Handy Nummern ab und verschwinde gegen 3 wieder, kurz nach dem Ella und Aldon gegangen sind. Habe mir etwas mehr von der Seijinshiki erwartet, aber na ja, es ist wohl doch eher nur eine Ausrede, damit die endlich 20 gewordenen Japaner mal wieder einen Anlass haben zu bechern ;) Betrunkene waren nämlich einige unterwegs und Flyer für Parties habe ich auch genügend in die Hand gedrückt gekriegt.

Freitag, 8. Januar 2010

Von japanischen Nasen und englischen Ohren

In Japan gilt es wie in den meisten asiatischen Ländern nicht als schicklich, sich in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen, sondern man - wenn ich mich mal so ausdrücken darf - zieht dir rotze mit einem tiefen schniefen hoch ;) was im übrigen auch gegen alle Gerüchte gesünder ist, als Nase putzen, da dann der ganze schleim nicht in die Nebenhöhlen läuft. Aufgrund der im Karaoke durchzechten Nacht habe ich nämlich meine erste Erkältung diesen Winter (ein Wunder, dass das erst im Januar ist!!) und bin jedes mal aufs klo in der Arbeit gerannt, um mir unauffällig die Nase zu putzen (wollte mir diesen Fehler als einzige Frau hier nicht leisten!). Bis Jin-San, der wohl auch erkältet ist, irgendwann schön vor allen sein Taschentuch rausgezogen und mich dadurch eines besseren belehrt hat haha Beim Mittagessen haben wir dann über Culture Shock geredet und er meinte doch tatsächlich, dass seiner zum Großteil daraus bestand, das er total geschockt war, dass alten englischen/europäischen Männern Haare aus den Ohren wachsen haha der muss auch echt n gechilltes leben dadrüben gehabt haben :D Ihm ist dann irgendwann aufgefallen, dass das ja jetzt schon mein letzter monat hier ist und zu meiner Überraschung hat er doch tatsächlich gefragt, ob ich nicht verlängern möchte!! Kann man so eine bitte denn abschlagen?? Also vll krempel ich meine Pläne doch nochmal um und arbeite länger hier (Das OK vom Boss haben wir noch nicht, also es ist nix entschieden), also dann bis April.

Ansonsten gibt es nicht viel neues, am Dienstag bin ich nach Shibuya um den Sale noch auszunutzen, das 109 war so überfüllt, dass ich es aber nicht lange ausgehalten habe. Und heute Abend gehts ins Loop, wer sich erinnert, der Club, in dem ich an meinem „ersten Arbeitstag“ war.

Montag, 4. Januar 2010

Winterferien

Die letzten 2 Wochen im schnell Durchlauf: Ich fahre nach Ibaraki, zu meiner Gastmutter, die natürlich am Ende ihrer Kräfte ist. Anstatt das ich mit ins Krankenhaus darf, werden die üblichen „Babysitter“ gesucht, die tagsüber auf mich aufpassen, denn ich bin ja keine 20 und ich lebe ja auch in Tokyo nicht alleine. Ich verbringe also meine Tage in dem üblichen höflichen Halbschlaf Genicke und zustimmendem „Sou desu ne“ (=Ja, so ist das) gemurmel. Und das beste daran ist: Ich darf auch noch dankbar dafür sein, dass ich kommen durfte, weil das ist ja „sicherer“ über die Ferien, als in Tokyo zu sein. Außerdem bin ich Schuld, dass meine Gastmutter jeden Tag vom Krankenhaus (das gute 2 1/2 Stunden entfernt ist) nach Hause fahren muss und nicht im Hotel in der Nähe übernachten kann. Um die ganze Sache noch in die perfekte Hölle zu verwandeln kommt meine Gastschwester aus Amerika (Das zeigt aber auch den Ernst der Lage) und wer schon mal Stories von mir aus Japan gehört hat, müsste wissen was das für mich bedeutet: Angst! Und obwohl die ganze Sache natürlich eine Ausnahmesituation ist und ich weiß, dass alle Nerven angespannt sind, platzt mir irgendwann der Kragen und ich schaffe es zum ersten mal mich zu wehren, meine Meinung darzulegen und vor allem klar zu stellen, dass ich aus Loyalität und Sorge gekommen bin und sie mir zwar nicht dankbar sein brauchen, weil das für mich selbstverständlich ist, aber mir auch keine Schuldgefühle machen brauchen. Na ja, dass ich aber tatsächlich irgendwo dankbar bin und auch irgendwie froh, dass ich in Ibaraki war und auch, dass genau die strengste Gastfamilie aller Zeit genau meiner war, ist zu vielschichtig um es zu erklären.

Sonstige Erwähnenswerte Dinge: Klassentreffen am 30.! Außer Ayumi und Saku wusste ja niemand, dass ich komme, was zu heftigem Gekreische geführt hat. Hab mich vor allem gefreut Yuka zu treffen, die ja weiter weg wohnt und aber natürlich auch sonst sehr schön gewesen, alle, also wirklich alle wieder zu sehen und hoffe, dass ich die meisten in Tokyo wieder mal treffe! Wir waren in einem Izakaya, 4500Yen (=Um die 30 Euro) für Essen und All-you-Drink, 2 Stunden (was ich ja noch nicht mal Ausnutzen konnte, weil betrunken zu meiner Gastfamilie nach Hause - Nein, das muss nicht sein!), da blutet einem natürlich das Herz. Es hat sich aber trotzdem gelohnt, war wie früher, nur eben mit Alkohol, was dazu geführt hat, dass nach 2 der supersüßen Cocktails etwa 20 angeschwipste Japanerinnen um mich rumstanden und meine Brüste befühlt haben ;) Während ich dann brav um 9 nach Hause gefahren bin, sind die anderen noch richtig Party machen gegangen und haben durchgemacht.

Dann Sylvester! In Japan eher wie bei uns Weihnachten, Familienfest und ziemlich wichtig! Dachte ich zumindest. Eigentlich war es aber ein Abend wie jeder andere: Vorm Fernseher! (Es sollte mich doch jemand dran erinnern, dass ich von japanischem Fernsehen berichte!!) Nur das man diesmal nicht um 11 sondern um halb 1 ins Bett geht, nachdem man die Count-Down Show der Boygroups von Johnny‘s Entertainment angeschaut hat. Am nächsten morgen sind wir dann nach japanischen Brauch üblich, den ersten Sonnenaufgang im neuen Jahr anschauen gegangen. Am 5 Minuten entfernten Strand!

Da mein Gastvater vorgestern dann endlich von der Notaufnahme in ein normales Zimmer kam, durfte ich gestern dann auch endlich mit ins Krankenhaus und ihn sehen. Dann mit dem Bus von Mito nach Tokyo. Am 3.1 nach Tokyo reinfahren, gaaanz Klasse Idee natürlich. Denn Sylvester ist in Japan vor allem für 2 Sachen bekannt:

1.) Sale! Japaner drehen völlig am Rad, stürmen die Einkaufszentren, stehen ewig schlange nur um in die Läden reinzukommen und kaufen sich sogenannte „Fukubukuro“, Taschen, mit unbekanntem Inhalt, mit unglaublich reduzierter Ware! Es ist aber auch wirklich hammer reduziert alles!

2.) Verreisen. Jaa, 4 Tage frei, da kommt Urlaubsstimmung in Japan auf ;) Jeder fährt aufs Land zu seiner Familie, oder zu irgendwelchen Onsen, also heißen Quellen (Tokyo muss anscheinend an Sylvester in der Hand der Party machenden Ausländer sein und ansonsten ne ziemliche Geisterstadt, weil niemand - natürlich vergleichsweise - mehr unterwegs ist!)

Es waren also gestern geschätzte 9 Millionen Japaner mit mir zusammen auf dem Weg zurück nach Tokyo! Ich kam also erst um 7 am Tokyo-Bahnhof an und bin direkt, ohne noch einmal Heim zu fahren nach Kichijouji, um nach Stress und Druck in Ibaraki mal wieder normale Zivilisation und Konversation zu haben ;) Mein Gepäck also in den Locker gesperrt und mit Aoi im mittlerweile Stamm-Izakaya getroffen. Wie irgendwie nicht anders zu erwarten habe ich natürlich die letzte Bahn verpasst, also Karaoke singen, Etienne kam auch noch irgendwann und aus spät wurde früh, aus meiner Stimme wurde Krächzen und das komische Gefühl hab ich mir von der Seele gesungen.