Am Donnerstag stehe ich für meine Verhältnisse viel zu früh auf und fahre nach Baba, um Mama und Hermi abzuholen. Wir fahren dann gemeinsam zum Hauptbahnhof und nehmen von dort aus der Zug um 6:30 Uhr nach Oosaka, um von dort aus weiter nach Hiroshima zu fahren. Natürlich alles Shinkansen und so rauschen wir mit knapp 300km/h durch Japan und kommen bereits gegen Mittag an. Auch wenn wir keine Ahnung von dem dortigen Tram-System und auch keine Anfahrtsbeschreibung haben, schaffen wir es dank der hilfsbereitschaft der Japaner ins Hotel, um unsere Sachen abzulegen und uns auch gleich wieder auf den Weg zu machen. Nach kurzem Mittagessen unter Kirschblüten fahren wir zum Atombomben Dom, ein Gebäude, dass die Tragödie überstanden hat und mehr oder weniger bis heute steht. Danach gehen wir in das Museum und mir treibt es von Zeit zu Zeit die Tränen in die Augen. Auch wenn ich absolut nicht damit einverstanden bin, wie die Japaner die Ereignisse des 2. Weltkrieges verarbeiten, muss ich, nach dem ich das alles gesehen habe gestehen, dass ich zumindest verstehe, wieso sie sich auch heute noch als Opfer des Krieges sehen. Am Abend laufen wir durch die Stadt und gehen in das "Okonomiyaki-Haus", in dem es auf 3 Stockwerken nichts als Okonomiyaki Läden gibt! Ein Traum von Abendessen war das! Habe mich wirklich in Hiroshima verliebt, meiner Meinung nach das bisher süßeste Städtchen Japans, das ich gesehen habe. Klein, überschaubar und schön. Könnte mir durchaus vorstellen, dort auch mal eine Zeit lang zu verbringen. Man weiß ja nie, wo es einen so hin verschlägt. Am nächsten Tag geht es über Fukuoka weiter nach Kumamoto auf Kyuushuu, der südlichsten Hauptinsel Japans. Kumamoto ist jetzt noch nicht so "subtropisch" und paradiesisch, wie ich mir Kyuushuu vorgestellt hab, aber am Abend stellt man dann doch fest, dass man im Süden ist. Selbst unter denn doch .. wie sag ich das jetzt nett? steifen Japanern merkt man, dass die Mentalität im Süden anders ist. Das Leben spielt sich einfach irgendwie doch mehr auf der Strasse ab. Als wir in Kumamoto in der Tram Bahn sitzen und ich mit meinem Handy etwas nachschlage, grummelt ein etwas älterer Japaner schon die ganze Zeit wie verrückt rum. Irgendwann fängt er sogar fast an zu brüllen. Ich verstehe natürlich kein Wort bei dem Dialekt und der Gebrabbel des alten Kerls und denke einfach nur, dass er ein bisschen verrückt ist. Als er allerdings irgendwann mit seinem Schirm mehr oder weniger auf mich los geht, rastet sogar Hermi aus. Erst dann erbarmt sich eine Japanerin zu mir zu kommen und bittet mich, mein Handy auszuschalten. Ob der Kerl nun wirklich einen Herzschrittmacher hatte oder einfach nur einen Dachschaden, bleibt dabei offen. Nur fand ichs mal wieder super interessant, dass um mich rum die Japanerlis blöd glotzen und der Kerl mich schon fast mim Schirm attakiert, bis sich jemand erbarmt mir in normalen japanisch zu sagen, dass ich mein Handy aus machen soll. Geschweige denn von dem alten Kerl selber, der ja auch normal was hätte sagen können. Geschockt war ich ja schon. Als bei der nächsten Station dann ca. 5 Japaner mit Handy in der Hand einsteigen, geht der Kerl ans vordere Ende des wagons und die Durchsage vom Schaffner kommt: "Bitte schalten Sie alle ihre Handys aus". Oh man oh man .. Na ja, wir besichtigen dann auf jeden Fall das Schloss und einen japanischen Garten in Kumamoto und am Abend gehen wir in so einen kleinen Familienbetrieb, die natürlich wie immer heil froh sind, dass ich japanisch kann. Obwohl ich die Karte nicht gescheit lesen kann und es immer eine kleine Überraschung ist, was wir nun bestellt haben, schmeckt alles wunderbar. Nur der "Shochuu on the Rocks" (Reisschnaps) schmeckt, obwohl aus Kyuushuu stammend, pur mit Wasser einfach eher wie Medizin. Am nächsten Tag fahren wir zum Aso-San, ein Vulkan/Berg irgendwas und gehen danach ins Onsen (traditionelle japanische heisse Quellen). Am Sonntag fahren wir weiter nach Beppu auch "Onsen Mekka" genannt. Dort sieht es dann schon mehr nach Paradies aus - so habe ich mir Kyuushuu vorgestellt! Wir besichtigen die "Höllen Onsen", bei denen knall rotes, brodelnd heißes Wasser aus den tiefen rausgesprudelt kommt. Übernachten tun wir im Ryoukan, ein traditionelles japanisches Hotel direkt am Meer. Nachdem wir auf dem Dach des Hotels im Onsen mit Meerblick waren, kriegen wir das traditionelle Essen (von dem ich auch keine Ahnung hab, was das nun alles war) im Tatami-Zimmer und danach wird einfach der Tisch weggeräumt und an gleicher Stelle die Futons ausgerollt. Wir schauen uns noch Fluch der Karibik auf japanisch an und schlafen ein. Achja, ich habe es geschafft mein Handy im Klo zu versenken. Da ich die Hoffnung habe, dass es trocknet und nicht kaputt ist, habe ich es noch nicht wieder angemacht. Mal sehen. Am nächsten Morgen geht es für mich mim Flieger zurück nach Tokyo. Ich bin die einzige Ausländerin im Flugzeug und nach dem Sicherheitsvorkehrungen auf japanisch erklärt werden, kommt die Stewardess zu mir und fragt, ob ich alles verstanden habe. Für einen kurzen Moment überlege ich mir, sie nochmal alles auf Englisch machen zu lassen, erkläre ihr aber dann, dass ich japanisch kann und es somit kein Problem gibt. Abgesehen natürlich davon dass ich, so oft wie ich schon in einem Flieger saß die Vorkehrungen wahrscheinlich auf jeder Sprache verstehen würde ;) Am Abend dann Sprachkurs, meine Lehrerin kommt ja aus Kyuushuu und Dylan, mein "Klassenkamerad" hat ein Jahr in Ooita, ganz in der Nähe von Beppu, Englisch unterrichtet, also darf ich einen kompletten Reisebericht abgeben.
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